Gurkenkönig

Die Laterne der Feenschule

Zusammenfassung

Der junge Gurkenkönig begleitet den Zauberzwerg Krokus zur verborgenen Feenschule im Farnwald. Dort muss er einen gefährlichen Feenstreich durch genaue Beobachtung und eine eigene Idee lösen. Zum Abschied erhält er von Feenkönigin Iris eine kleine magische Laterne für seine Reisen.

Im Zwergendorf roch es nach warmem Holz, Pilzsuppe und einem Hauch von Zimt. Der junge Gurkenkönig saß auf einem runden Stein vor dem Haus des Zauberzwergs Krokus. Seine Krone aus goldenen Sonnenblumenkernen glänzte in der Nachmittagssonne, und sein grüner Blätterumhang raschelte leise, als er sein Notizbuch aufschlug.

Krokus kam durch die Tür. Unter einem Arm trug er eine Rolle aus blauem Papier, unter dem anderen eine gläserne Kugel, in deren Innerem ein silbriger Funke hin und her huschte.

„Morgen reise ich in den Farnwald“, sagte Krokus. „Die Feenschule hat mich eingeladen. Ich soll einen Vortrag über Zwergenmagie halten.“

Der Gurkenkönig sah von seinem Notizbuch auf. „Eine Feenschule? Lernen Feen dort auch, wie man zaubert?“

„Sie lernen vieles“, antwortete Krokus. „Mondlicht lenken, Blütenwege lesen, höflich begrüßen und manchmal auch, wann ein Streich zu viel wird.“ Er schmunzelte. „Möchtest du mitkommen? Du könntest die Feen kennenlernen.“

Der Gurkenkönig klappte sein Notizbuch zu und stand sofort auf. „Sehr gern. Ich möchte wissen, wie eine Schule aussieht, die niemand ohne Magie finden kann.“

Am nächsten Morgen brachen sie früh auf. Der Weg führte erst durch die Kleeweite. Zwischen den hohen Kleeblättern glitzerten Tautropfen wie kleine Spiegel. Der Gurkenkönig blieb oft stehen, weil er Spuren, Käferwege und die Formen der Wolken betrachtete. Krokus musste ihn zweimal daran erinnern, dass sie noch ein gutes Stück vor sich hatten.

Hinter der Kleeweite begannen die Glockenblumenfelder. Überall standen blaue und violette Blütenkelche, groß genug, dass der Gurkenkönig darunter hindurchgehen konnte. Wenn der Wind sie bewegte, erklang ein sanftes Klingeln.

„Es klingt, als würde das Feld uns begrüßen“, sagte der Gurkenkönig.

„Oder uns prüfen“, meinte Krokus. „Im Norden beginnt gleich der Farnwald. Dort führen Wege manchmal dorthin, wohin sie wollen.“

Als die riesigen Farne vor ihnen aufragten, nahm Krokus seine Zauberkugel in beide Hände. Der silbrige Funke darin wurde zu einer feinen Linie. Sie zeigte zwischen zwei moosigen Wurzeln hindurch.

„Ohne die Kugel würden wir an der Feenschule vorbeilaufen“, erklärte Krokus. „Feen verbergen ihre Orte nicht mit einer Mauer. Sie lassen nur alle gewöhnlichen Wege daran vorbeiziehen.“

Der Gurkenkönig beugte sich vor. Vor ihnen lag nur Farn, Pilze und ein schmaler Pfad. Doch als Krokus der Lichtlinie folgte, öffnete sich zwischen den Blättern ein Durchgang. Dahinter standen spargelähnliche Bäume mit glatten Stämmen, und an ihren Ästen schwebten winzige Lichter.

„Da ist sie“, flüsterte der Gurkenkönig.

Die Feenschule bestand aus mehreren runden Häusern, die wie Blütenknospen zwischen den Farnen hingen. Auf einer Plattform aus hellem Holz warteten Feen in schimmernden Umhängen. Manche hatten silbrige Flügel, andere trugen Kränze aus kleinen Sternblumen. Sie sahen den Gurkenkönig neugierig an.

Eine besonders große Fee schwebte langsam zu ihnen herab. Ihr Haar glänzte wie der Rand einer Wolke im Mondlicht. „Willkommen“, sagte sie. „Ich bin Iris, das Oberhaupt der Feen. Ihr seid pünktlich. Das überrascht mich bei Reisenden aus Kleeweite.“

„Wir hatten eine Zauberkugel“, sagte der Gurkenkönig freundlich.

Mehrere Feen kicherten. Eine mit einer roten Blüte im Haar flüsterte: „Er ist kleiner, als ich dachte.“

Der Gurkenkönig hörte es, sagte aber nichts. Stattdessen sah er sich aufmerksam um. Auf einer Tafel standen feine Zeichen, die sich bewegten wie tanzende Zweige. Neben der Tür hing ein Schild: Bitte keine Verwandlungszauber an Gästen ausprobieren.

Er zeigte darauf. „Ist das eine wichtige Regel?“

Iris hob eine Augenbraue. „Eine sehr wichtige. Manche unserer Schülerinnen üben noch, ihre Ideen zu bremsen.“

Krokus hielt seinen Vortrag in einem Saal aus geflochtenen Zweigen. Er erklärte, dass Zwergenmagie besonders gut funktionierte, wenn man etwas genau kannte: den Stein, den man glätten wollte, das Holz, das man stärken wollte, oder den Weg, den man suchte. Währenddessen schrieb der Gurkenkönig sorgfältig in sein Notizbuch: Magie ist nicht nur ein Wunsch. Man muss wissen, was man tut.

Als der Vortrag endete, klatschten die Feen so leise, dass es klang wie Regen auf Blättern. Der Gurkenkönig trat vor die Tür, um frische Luft zu holen. Drei junge Feen schwirrten hinter ihm her. Die Fee mit der roten Blüte lächelte besonders unschuldig.

„Dein Umhang ist sehr grün“, sagte sie.

„Das ist er“, erwiderte der Gurkenkönig.

„Er könnte noch grüner sein.“

Bevor er nachfragen konnte, wirbelten die drei Feen einmal um ihn herum. Ein grüner Funke sprang über seinen Blätterumhang. Erst kitzelte es an seinen Schultern. Dann zupften sich die Blätter zusammen, wurden länger und schmaler. Plötzlich ringelte sich eine Schlingpflanze um seinen Oberkörper.

„He!“, rief der Gurkenkönig und versuchte, die Ranken mit den Händen auseinanderzuschieben. Doch bei jeder hastigen Bewegung zogen sie sich fester zusammen. Sie drückten ihm gegen die Arme und nahmen ihm die Luft, sodass er nur noch flach atmen konnte.

Die Feen hörten auf zu lachen. „Das sollte nur ein Rankenkranz werden“, sagte eine von ihnen erschrocken.

Krokus kam aus dem Saal gerannt und hob die Zauberkugel. „Ich könnte den Zauber auflösen“, sagte er.

Der Gurkenkönig schüttelte den Kopf, so gut er konnte. Er hatte bemerkt, dass die Ranken immer fester wurden, wenn er zerrte. Stattdessen zwang er sich, stillzuhalten. Er sah auf die Schlingpflanze. Ihre dünnen Spitzen griffen nach den glänzenden Sonnenblumenkernen seiner Krone. Offenbar folgten sie dem goldenen Licht.

„Meine Krone“, presste er hervor. „Die Ranken wollen zu den Kernen. Krokus, kannst du sie mit deiner Kugel auf einen anderen Glanz locken?“

Krokus verstand sofort. Er hielt die Kugel dicht über den Boden. Der silbrige Funke darin leuchtete stärker, aber nur als schmaler Weg aus Licht. Die jungen Feen setzten ihre Flügel daneben und ließen winzige Lichtpunkte tanzen. Der Gurkenkönig stand ganz ruhig. Eine Ranke löste sich von seinem Umhang. Dann noch eine. Schließlich krochen alle grünen Schlingen dem silbrigen Licht hinterher und wickelten sich um einen moosigen Baumstumpf.

Der Gurkenkönig atmete tief durch. Sein Umhang war wieder ein Umhang, nur an einer Ecke hing ein kleiner, echter Trieb daran.

Die drei Feen schwebten mit gesenkten Köpfen vor ihm. „Es tut uns leid“, sagte die Fee mit der roten Blüte. „Wir wollten zeigen, dass wir Verwandlungszauber können.“

Der Gurkenkönig strich über die zerknitterten Blätter seines Umhangs. „Dann zeigt ihn so, dass jemand lachen kann, ohne dass er sich wehren muss.“

Iris trat hinzu. Ihr Blick war ernst, aber nicht hart. „Ihr helft jetzt beim Fest. Und ihr stellt sicher, dass der Umhang wieder ordentlich aussieht.“

Die jungen Feen nickten. Gemeinsam flochten sie den kleinen Trieb in einen schmalen grünen Rand. Der Gurkenkönig betrachtete ihn und musste lächeln. „Jetzt sieht er aus, als hätte der Farnwald ihn unterschrieben.“

Am Abend begann das Fest. Auf großen Pilzhüten standen Schalen mit Beeren, knusprigen Wurzelkeksen und duftendem Blütenbrot. Die Glockenblumenfelder weit im Süden waren nicht zu hören, doch die Blumen der Feenschule sangen leise Töne, sobald jemand an ihnen vorbeiging. Krokus erzählte den Feen von seiner Zauberkugel, und diesmal stellten sie kluge Fragen, statt sich über seine zwergische Größe zu wundern.

Der Gurkenkönig saß mit Iris am Rand der Plattform. Unter ihnen schimmerte der Farnwald im Abendlicht. „Eure Schule ist schwer zu finden“, sagte er. „Aber nicht, weil ihr unfreundlich seid.“

Iris lächelte. „Wir wollen, dass Besucher wirklich hierher wollen. Wer aufmerksam sucht und Hilfe annimmt, findet den Weg eher als jemand, der einfach irgendwohin stapft.“

Nach dem letzten Tanz bat Iris ihn, die Hände zu öffnen. Sie legte ihm eine kleine Laterne hinein. Sie war kaum größer als eine Walnuss, bestand aus milchigem Glas und hatte einen winzigen grünen Schalter.

„Für dich“, sagte Iris. „Sie passt in deine Umhängetasche. Wenn du den Schalter nach rechts drehst, leuchtet sie. Drehst du ihn zurück, wird sie wieder dunkel. Sie macht keine Wege sichtbar, die nicht da sind. Aber sie schenkt dir Licht, wenn du einen echten Weg vor dir hast.“

Der Gurkenkönig drehte den Schalter vorsichtig. Warmes goldenes Licht erschien in der Laterne. Es fiel auf sein Notizbuch und auf den kleinen grünen Trieb an seinem Umhang.

„Danke, Iris“, sagte er. „Ich werde gut auf sie aufpassen.“

Am nächsten Morgen verabschiedeten sich die Feen. Die drei jungen Feen winkten besonders eifrig. Krokus nahm seine Zauberkugel hervor, und die silbrige Linie führte ihn und den Gurkenkönig wieder durch den geheimen Durchgang hinaus.

Sie wanderten durch den Farnwald, über die Glockenblumenfelder und schließlich zurück in die Kleeweite. Als die Sonne hinter den Kleeblättern verschwand, wurde es auf dem Weg dunkel. Der Gurkenkönig holte die Laterne aus seiner braunen Umhängetasche und schaltete sie ein.

Ein warmer Kreis aus Licht glitt vor ihren Stiefeln her. Der Gurkenkönig öffnete sein Notizbuch und schrieb: Manche Wege findet man mit Magie. Andere erkennt man daran, dass man auf ihnen ruhig weitergehen kann.

Dann steckte er den Stift weg, und gemeinsam gingen er und Krokus dem Zwergendorf entgegen.

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