Gurkenkönig

Der Gurkenkönig lernt den Froschbeinschlag

Zusammenfassung

Der junge Gurkenkönig besucht Frosch Pumbos Schwimmschule am Weiher der Kleeweite. Nach ersten Schwierigkeiten beim Schweben und beim Froschbeinschlag beobachtet er genau, findet einen eigenen Dreischritt und lernt, in ruhigem Wasser sicher zu üben.

Als der Morgen über die Kleeweite kam, glitzerten Tautropfen im Gras. Der junge Gurkenkönig stand auf einem Hügel und sah zum Weiher am Waldrand hinüber. Dort flatterten Schilfhalme im Wind, und aus der Ferne klang ein fröhliches Platschen.

Der Gurkenkönig strich über seine Krone aus goldenen Sonnenblumenkernen. „Ich kann über Hügel wandern, Wege finden und sogar bei Regen mein Notizbuch trocken halten“, sagte er. „Aber schwimmen kann ich nicht.“

Er öffnete sein Notizbuch und schrieb: „Frage des Tages: Wie bleibt man im Wasser nicht nur oben, sondern bewegt sich auch vorwärts?“ Dann schulterte er seine braune Umhängetasche und machte sich auf den Weg.

Am Weiher stand ein rundes Schild aus Holz: „Schwimmschule von Frosch Pumbo.“ Dahinter lag ein flacher, ruhiger Uferplatz. Seerosen schwammen auf dem Wasser, und an einem Ast hing ein großer, trockener Blätterumhang.

Frosch Pumbo saß auf einem Stein und trug eine Pfeife aus Schilfgras um den Hals. Als er den Gurkenkönig sah, nickte er freundlich. „Willkommen. Deinen Umhang und dein Notizbuch kannst du dort sicher ablegen. Im Wasser üben wir nur zusammen und immer dort, wo wir noch festen Boden unter den Füßen haben.“

Der Gurkenkönig stellte seine Sachen ab und watete vorsichtig ins flache Wasser. Es fühlte sich kühl an seinen Stiefeln an. „Was lerne ich zuerst?“

„Zuerst die Toten-Mann-Übung“, sagte Pumbo. „Du hältst die Luft an, legst dich ganz ruhig aufs Wasser und lässt dich tragen. Wenn du auftauchen möchtest, stellst du sofort die Füße wieder auf den Boden.“

Der Gurkenkönig nickte tapfer. Er atmete ein, hielt sich an einem glatten Uferstein fest und legte sich nach vorn ins Wasser. Doch seine großen Segelohren kitzelte das Wasser. Er zuckte zusammen, ruderte hastig mit den Armen und stand gleich wieder auf.

„Das war eher ein aufgeregter Mühlradmann“, sagte Pumbo mit einem kleinen Quaken.

Der Gurkenkönig musste trotz seines roten Gesichts lachen. „Ich wollte still sein. Aber meine Arme haben etwas anderes beschlossen.“

„Dann hör ihnen beim nächsten Mal vorher zu“, antwortete Pumbo. „Sag ihnen: Jetzt ist Ruhezeit.“

Beim zweiten Versuch schloss der Gurkenkönig die Augen. Er atmete ein, zählte in Gedanken bis drei und streckte Arme und Beine locker aus. Das Wasser trug ihn für einen kurzen Moment. Als er wieder stand, tropfte Wasser von seiner Nase.

„Ich habe geschwebt!“, rief er.

„Ein kleines Stück“, sagte Pumbo. „Und du bist selbst wieder aufgestanden. Genau so beginnt es.“

Am nächsten Tag kam der Gurkenkönig wieder zum Weiher. Die Toten-Mann-Übung gelang nun schon ruhiger. Danach zeigte Frosch Pumbo ihm den Froschbeinschlag. „Zieh beide Beine an. Dreh die Füße nach außen. Dann drückst du das Wasser mit beiden Beinen gleichzeitig weg und schließt sie wieder.“

Der Gurkenkönig übte am Ufer, während er sich mit den Händen an einem Stein festhielt. Sein linkes Bein machte einen kräftigen Kreis. Das rechte Bein kam viel zu spät hinterher.

Platsch! Sein linker Stiefel spritzte Pumbo einen Tropfen direkt auf die Nase.

„Ein Bein war sehr fleißig“, sagte Pumbo. „Das andere scheint noch über den Unterricht nachzudenken.“

Der Gurkenkönig schaute auf seine Beine. „Sie machen wirklich nicht dasselbe. Vielleicht wollen sie verschiedene Dinge.“

Er versuchte es noch einmal. Diesmal bewegte er zuerst das rechte Bein, dann das linke. Er drehte sich langsam im Kreis und landete mit dem Bauch an einem Büschel Wassergras.

Für einen Augenblick presste er die Lippen zusammen. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass bloßes Strampeln nicht helfen würde. Er watete zurück ans Ufer, setzte sich ins weiche Gras und nahm sein Notizbuch.

Da hüpfte Pumbo neben ihm ins Wasser. Seine Beine zogen sich gleichzeitig an, klappten gleichzeitig auf und drückten das Wasser fort. Mit jedem Kick glitt er ein Stück vorwärts.

Der Gurkenkönig beobachtete ganz genau. Nicht nur die Beine waren gleichzeitig. Auch Pumbos Körper blieb ruhig und lang im Wasser.

„Ich glaube, ich habe meinen Fehler gefunden“, sagte der Gurkenkönig. „Ich habe meine Beine einzeln herumgeworfen. Aber sie müssen ein Team sein.“

Pumbo nickte. „Wie willst du ihnen helfen, zusammenzuarbeiten?“

Der Gurkenkönig dachte nach. Dann klopfte er mit beiden Händen einen langsamen Takt auf seine Knie. „Anziehen, aufklappen, schließen“, sagte er. „Immer diese drei Schritte. Nicht schneller, als ich sie gleichzeitig kann.“

Am dritten Tag wehte der Wind kräftig über die Hügel. Kleine Wellen kräuselten den Weiher. Der Gurkenkönig hatte schon ein paar gute Froschbeinschläge geschafft, doch nun spritzte ihm eine Welle ins Gesicht. Er verlor seinen Takt und zappelte wieder durcheinander.

„Heute sieht das Wasser anders aus“, sagte er und stand still im flachen Bereich. Er wollte sich nicht ärgern, aber seine Schultern sanken ein wenig.

Pumbo zeigte auf eine geschützte Stelle hinter einem breiten Schilfbüschel. Dort war das Wasser ruhiger. „Der Wind ist kein Gegner. Aber er macht das Üben gerade schwieriger.“

Der Gurkenkönig betrachtete die Wellen, das Schilf und den ruhigen Platz dahinter. Dann entschied er: „Ich übe heute nicht gegen die Wellen. Ich übe dort, wo ich meinen Takt hören kann.“

Hinter dem Schilf hielt er sich erst am Uferstein fest. „Anziehen, aufklappen, schließen“, murmelte er. Seine Beine bewegten sich gemeinsam. Einmal. Zweimal. Beim dritten Mal ließ er den Stein los.

Er glitt einen ganzen Armzug weit durch das Wasser.

Überrascht stellte er die Füße auf den Boden. Seine großen grünen Augen leuchteten. „Pumbo! Ich bin vorwärtsgekommen!“

„Das bist du“, sagte der Frosch. „Und warum diesmal?“

Der Gurkenkönig dachte einen Moment nach. „Weil ich genau hingesehen habe. Weil ich langsamer geübt habe. Und weil ich den ruhigen Platz gewählt habe.“

In den nächsten Tagen kam er immer wieder an den Weiher. Zuerst übte er das Schweben. Dann seinen Dreischritt. Schließlich konnte er mit dem Froschbeinschlag von einem Seerosenblatt zum nächsten gleiten, ohne den Boden zu berühren.

Eines Nachmittags setzte Pumbo eine kleine Schilfpfeife an die Lippen. „Bereit für die Wasserreise bis zum flachen Stein?“

Der Gurkenkönig nickte. Er atmete ruhig ein, stieß sich vorsichtig ab und machte seinen ersten Froschbeinschlag. Anziehen, aufklappen, schließen. Das Wasser glitt an seinem roten Haar vorbei. Noch ein Schlag. Und noch einer.

Am flachen Stein tauchte er auf und lachte so laut, dass ein paar Vögel aus dem Schilf flatterten. Danach übte er das Tauchen nach glatten Kieseln und spielte mit Pumbo Wasserkringel: Wer konnte den rundesten Ring um eine Seerose ziehen?

Als die Sonne hinter den Hügeln der Kleeweite tiefer sank, saß der Gurkenkönig wieder im Gras. Sein Blätterumhang war trocken, seine Stiefel standen ordentlich nebeneinander, und in seinem Notizbuch schrieb er: „Beim Schwimmen hilft nicht wildes Strampeln. Erst beobachten. Dann einen ruhigen Takt finden. Dann wieder versuchen.“

Er malte daneben zwei kleine Beine, die gleichzeitig ins Wasser klatschten. Aus dem Weiher kam ein fröhliches Quaken, und der Gurkenkönig blickte lächelnd zu den glitzernden Wellen hinüber.

Kleeweite Vorlesegeschichten

Fabelgeschichten für Kinder

Begleite vertraute Figuren durch kleine Abenteuer, große Gefühle und eine Welt voller Fantasie – für Kinder ab 3 Jahren.