Franz Bayerhops
Franz lässt den Schnuller schlafen
Zusammenfassung
Franz möchte seinen pinken Schnuller abgeben und versucht, ohne ihn einzuschlafen. Nach einem ersten schweren Versuch und raschelndem Wind findet er mit ruhigem Atmen, seinem vertrauten Halstuch und eigener Entscheidung in den Schlaf.
Am Abend roch der Wuschelwald nach warmem Moos und feuchten Blättern. Vor seiner Baumhöhle saß Franz Bayerhops und drehte seinen pinken Schnuller zwischen den Pfoten. Sein rotes Halstuch hing schon am Ast neben dem Eingang.
„Mit dir kann ich gut einschlafen“, murmelte er. „Aber heute möchte ich es mal ohne dich versuchen.“
Mulekuh saß neben ihm. Sie rückte ihre runde Brille zurecht und hörte zu.
„Weißt du schon, wo er solange bleiben darf?“
Franz überlegte. Dann hoppelte er in die Baumhöhle und kam mit einem kleinen Holzkästchen zurück. Auf den Deckel hatte er einen gelben Mond gemalt.
„Hier. Das wird sein Bett.“
Vorsichtig legte er den Schnuller hinein. Einen Moment ließ er die Pfote noch darauf liegen.
Dann flüsterte er: „Gute Nacht.“
Der Deckel klappte leise zu.
Mulekuh stellte das Kästchen neben sein Bett. Franz kuschelte sich in die weichen Blätter und zog seine Moosdecke bis zum Bauch. Mulekuh blieb bei ihm sitzen.
Eine Weile war es still.
Dann tastete Franz neben seinem Kissen herum. Er suchte links. Er suchte rechts.
Ach ja. Der Schnuller lag im Kästchen.
Franz schob die Zunge gegen seine Lippen. Er drehte sich auf die eine Seite. Dann auf die andere. Er zog die Decke höher und schob sie wieder herunter.
Seine Augen waren müde. Aber einschlafen konnte er nicht.
„Mulekuh? Mein Schnuller fehlt mir.“
„Ja“, sagte sie leise. „Den hattest du sonst immer bei dir.“
Franz nickte und schloss wieder die Augen.
Er versuchte, ganz still zu liegen. Doch schon bald wanderte seine Pfote zum Mund. Als sie dort keinen Schnuller fand, zog sich sein Gesicht zusammen.
„Ich will ihn doch wieder haben.“
Er setzte sich auf und nahm das Kästchen auf den Schoß. Unter seinem Daumen hob sich der Deckel ein kleines Stück.
Mulekuh rückte näher.
Franz schaute hinein. Da lag er, sein pinker Schnuller. Er musste ihn nur herausnehmen.
„Ich dachte, das wäre leichter“, flüsterte Franz. Seine Augen wurden feucht.
„Komm einmal her“, sagte Mulekuh.
Franz lehnte sich an sie. Eine Weile sagte keiner etwas.
„Du darfst dir Zeit lassen“, murmelte Mulekuh.
Franz wischte sich über die Nase. Dann sah er wieder ins Kästchen.
„Ich möchte es noch ein bisschen versuchen. Aber bleibst du ganz nah?“
„Ja, Franz.“
Er schloss den Deckel und gab ihr das Kästchen.
„Und kannst du mir mein Halstuch holen?“
Mulekuh nahm es vom Ast. Franz legte den weichen Stoff neben seine Wange. Er roch ein bisschen nach Gras und ganz vertraut nach Franz.
Das tat gut. Trotzdem vermisste er seinen Schnuller noch.
Da raschelte es vor der Baumhöhle.
Raschel, raschel. Schschsch.
Franz hob den Kopf. Seine langen Ohren standen aufrecht.
„Jetzt sind die Blätter auch noch so laut.“
Mulekuh schaute zum Eingang. „Der Wind streicht hindurch.“
Franz seufzte. „Ich möchte doch einfach schlafen.“
Da erschien Ninos braune Nase am Eingang.
„Ich wollte noch gute Nacht sagen“, flüsterte der kleine Bär. In seinem Fell hing ein Mooskrümel.
„Ich versuche, ohne Schnuller einzuschlafen“, sagte Franz. „Aber es ist schwer.“
Nino kam näher.
„Soll ich noch bei dir sitzen?“
Franz nickte. „Ja, bitte.“
Nino ließ sich neben dem Bett nieder. Dann musste er so ausgiebig gähnen, dass Franz trotz allem ein bisschen kicherte.
„Du kannst das Müdewerden schon gut“, murmelte er.
„Ich übe auch jeden Abend“, sagte Nino schläfrig.
Franz kuschelte sich wieder zurecht. Seine Pfote hielt das Halstuch fest.
Draußen strich der Wind durch die Blätter.
Schschsch.
Franz lauschte.
Die Blätter raschelten, wurden still und raschelten wieder.
„Hört mal“, flüsterte er nach einer Weile. „Das klingt ein bisschen, als würden sie uns gute Nacht sagen.“
Er atmete langsam ein. Die Decke hob sich.
Dann ließ er die Luft wieder hinaus.
Schschsch.
Noch einmal dachte er an seinen Schnuller. Er drückte die Wange tiefer ins Halstuch und rückte ein wenig näher zu Mulekuh.
Sie war noch da. Nino auch.
Franz atmete ein und wieder aus.
Allmählich wurden seine Pfoten still. Seine Ohren sanken aufs Kissen.
„Mulekuh?“, murmelte er.
„Ja?“
„Ich glaube, jetzt …“
Den Rest sagte er nicht mehr.
Mulekuh und Nino warteten. Franz’ Atem ging ruhig. Seine Pfote lag locker auf dem roten Halstuch.
Nino sah zu Mulekuh auf und lächelte über das ganze Gesicht.
„Er schläft“, hauchte er.
Mulekuh nickte und lächelte zurück. Vorsichtig zog sie Franz die Decke zurecht.
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Am Morgen kitzelte ein Sonnenstrahl Franz’ Nase.
Er blinzelte und streckte sich. Dann fiel sein Blick auf das Mondkästchen.
Franz setzte sich auf. Er öffnete den Deckel.
Der pinke Schnuller lag noch darin.
Einen Augenblick starrte Franz ihn an.
Dann strahlte er.
„Mulekuh! Ich habe geschlafen! Ohne meinen Schnuller!“
Mulekuh schaute zur Baumhöhle herein. Schon sprang Franz aus dem Bett und hüpfte auf sie zu.
„Es war so schwer! Und dann hat es doch geklappt!“
Er schmiegte sich an sie, und Mulekuh drückte ihn herzlich an sich.
„Ich freue mich so mit dir, Franz!“
Draußen knackte ein Zweig. Nino kam über den Waldpfad getapst.
„Nino!“, rief Franz. „Ich bin ohne Schnuller eingeschlafen!“
„Ich weiß!“ Nino lachte. „Ich war dabei! Du hast mitten im Satz aufgehört zu reden.“
Franz musste lachen. Er hüpfte einmal um Mulekuh herum und direkt in Ninos weiche Bärenarme.
„Mein Bauch freut sich bis in die Ohren!“
Nun lachten sie alle drei.
Später holte Franz das Mondkästchen und strich über den gelben Deckel.
„Kannst du darauf aufpassen?“, fragte er Mulekuh. „Heute Abend möchte ich es wieder versuchen.“
„Sehr gern.“
Franz zog seine grüne Hose an und band sich das rote Halstuch um. Dann trat er mit Nino vor die Baumhöhle.
Über ihnen raschelten die Blätter.
Franz schaute hinauf.
„Ihr habt auch geholfen“, sagte er.
Dann nahm er Ninos Pfote. Sein Freund lächelte ihn an, und Franz musste gleich wieder strahlen.
